„Aba heit is koid…“ macht seiner Bedeutung alle Ehre – Zu Gast bei drei Reifenschwingern
Ihre Feuertaufe haben die Schäffler am Freitagabend bei ihrem Auftaktball mit Bravour
bestanden, am Sonntag erlebten sie bei ihren ersten Auftritten im Freien einen Auftakt nach Maß.
Nach Schneefall am Abend zuvor herrschten nahezu ideale Bedingungen. Getreu der
Schäfflermelodie „Aba heit is koid…“ fielen die Minusgrade zum Start und ab dem späten
Nachmittag aber recht ordentlich aus. Zu Gast sein durfte man an diesem Tage bei gleich drei
ehemaligen Reifenschwingern.
Dabei starteten die „Rotjacken“ nicht ohne Gottes Segen in ihre 20. Jubiläumssaison. In der
Stadtpfarrkirche feierte man einen Schäfflergottesdienst mit sprichwörtlich Pauken und Trompeten.
Schäffler-Musikanten, Mitglieder der Stadtkapelle und Kirchenchor sorgten für ein imposantes
Klangerlebnis.
➡️ Bilder und Impressionen zum 1. Tanztag.
Schäffler setzen ein Zeichen für das Leben
Stadtpfarrer Josef Paulus betonte, dass sich niemand wieder eine Epidemiezeit, Krieg oder sonst
eine Katastrophe wünsche. Die Schäffler seien es gewesen, die vor Jahrhunderten gegen die Angst
vor der Pest mutig auftraten und ihre Freude auf die Straße trugen, um den Menschen zu zeigen:
Das Leben ist nicht totzukriegen, es besiegt den Tod. Sie hätten die Berührungsängste überwunden,
tanzten und sangen und freuten sich wieder am Leben. So gesehen setzten die Schäffler auch heute
noch alle sieben Jahre ein Zeichen für das Leben. Als kleine Überraschung präsentierte Paulus eine
fünfstöckige Schäfflerpyramide mit filigranen Zinnfiguren, die vor dem Altar aufgestellt wurde; das
Ganze untermalt zur intonierten Schäfflermelodie.
Danach wurde es dann aber ernst mit dem ersten Tanz vor dem Rathaus. Im großen Rund brachten
die Schäffler ihre sieben Figuren wie aus einem Guss zur Aufführung, ehe Reifenschwinger
Michael Hintermeier sein Können aufblitzen und die Stadt hochleben ließ. Den vier Fasslkasperln
„Gix“ Harrieder, Ralf Gaffal, Bertram Pfaller und Jakob Geisreither hatte sich in Mainburg und dem
Landkreis genügend Stoff zum Derblecken geboten, um nach dem Jungfernkranzl auch der holden
Weiblichkeit zu huldigen. Die Vier machten an diesem Tage einen Riesenjob, versprühten feinen
Humor, der den Zuschauern viel Lächeln ins Gesicht zauberte.
Traditionell ist die zweite Station jeder Mainburger Schäfflersaison das Anwesen Söckler, der
Wiege des Mainburger Schäfflertanzes anno 1889. Und dieser Auftritt hatte es im besonderen Maß
in sich. Mit Simon Biber entstammt der diesjährige Vortänzer dem Hause, Mutter Claudia fungierte
1998 bereits als Marketenderin. Umso größer war für den Sohn die Ehre, auch in memoriam seines
verstorbenen Großvaters Vinzenz, vor dem Haus tanzen zu dürfen. Ein dreifach „Hoch“ erschallte
dabei auch für die Familie von Günter Söckler, Tänzer des Jahrgangs 1991 und Reifenkasperl 1998.
Sohn Lorenz ließ es sich dabei natürlich nicht nehmen, als Reifenschwinger des Jahrgangs 2019
nochmals aufs Fassl zu steigen.
Wunderbare Nachmittagsverhältnisse
Herrschten an den ersten beiden Stationen noch Minusgrade, die nahe dem zweistelligen Bereich
lagen, schickte die Sonne ab dem frühen Nachmittag ihre wärmenden Strahlen. Das blaue
Firmament bescherte Kaiserwetter, als der Tross über die Station Louis von Horst – Sohn Nico
gehörte zur 2019er Tanzgruppe – hoch hinauf in den Riegelweg zu Stadtrat und Vhs-
Geschäftsführer Matthias Bendl zog. Wieder im „Tal“ freute man sich auf den Besuch bei
Ehrenbürger und TSV-Ehrenmitglied Sebastian Kirzinger. Der Reifenschwinger des Jahres 1970
erklomm dabei ebenso das Fassl, um auf die Schäffler seinen Toast auszusprechen.
Und der dritte Reifenschwinger an diesem Tage war Horst Pinsker, der 1977 diese Schlüsselposition
bekleidete, als Abteilungsleiter sowie Komiteemitglied fungierte. Für die ganze Familie Pinsker ein
Gänsehautmoment, als er im kleinen Innenhof zusammen mit seinem kleinen Enkel Henry (im
Schäfflerkostüm) die Reifen kreisen ließ. Seit 1921 machen die Schäffler mittlerweile in jeder
Saison Station im Hause Pinsker, was die enge Verbundenheit dokumentiert.
Hoch leben ließ man auch Steffi Schröder vom Modehaus Schmid, von dem die Schäffler seit jeher
ihre Ausstattung beziehen. Für Josef Brunner, Schäfflertänzer anno 1956, und Sohn Karl (1991)
tanzte man in der Bahnhofstraße. Nur einige Meter weiter vor der „Heimat“ warteten die Familien
von Christian und Ernst Stanglmeier schon auf die „Rotjacken“. An sie richtete sich der besondere
Dank für die seit jeher gewährte großzügige Unterstützung. Nico Stanglmeier zählt bekanntlich zum
Kreis der aktiven Tänzer.
In der Schüsselhauser Straße wartete derweil schon die Familie Schweigard mit der FW-
Fraktionssprecherin im Stadtrat, Katharina Schweigard Sitzmann, sowie Sohn Matthias, der wieder
die Schäffler-Musik verstärkt. Bei Dr. Paul Kistler im Promenadenweg wurde schließlich mit dem
2.500. Tanz in der Geschichte des Mainburger Schäfflertanzes ein Jubiläum gefeiert. Den
Schlusspunkt setzte man bei Werbegemeinschaftsvorsitzendem Johannes Beck. Ergreifend die
intonierte Bayern-Hymne, die zum Abschluss jedes Tanztages ertönt.